Kategorie VdK-Zeitung

Dänische Kommunen spielen aktive Rolle in der häuslichen Pflege

Die Kommunalverwaltung als zuverlässiger Ansprechpartner und Koordinator in der Pflege das fordert der Sozialverband VdK. In Dänemark wird dieses Konzept schon seit dem Jahr 1973 erfolgreich umgesetzt.

Im Bürgerzentrum der Kleinstadt Apenrade gibt es Ansprechpartner zur häuslichen Pflege. © Klaus Lange

Ein Blick über die deutsch-dänische Grenze zeigt, wie gute und zuverlässige Pflege vor Ort organisiert werden kann. Eine kleine Delegation aus der VdK-Bundesgeschäftsstelle ist im November 2025 nach Apenrade gereist, um sich das dänische Pflegesystem genauer anzusehen. Die Kommune mit Stadt Apenrade hat rund 58 000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt nördlich von Flensburg, direkt hinter der Grenze zu Deutschland.

Hilfe im Rathaus

Die Stärke der dänischen Organisation von Pflege liegt darin, dass die dänischen Städte und Gemeinden seit über 50 Jahre gesetzlich dazu verpflichtet werden, die Pflege vor Ort zu steuern und Leistungen selbst anzubieten. 

Birgitt Møller Johannsen, Leiterin der Abteilung Häusliche Pflege“ bei der Kommunalverwaltung Apenrade, erklärt: In Dänemark gilt für alle Kommunen die gleiche gesetzliche Grundlage. Die Politik der jeweiligen Kommune entscheidet selbstständig, wie die Umsetzung vor Ort erfolgen kann. Die Bürger sollen die lokale Unterstützung für die Leistungen und Angebote erhalten, die sie gerade wirklich benötigen.“ Für dänische Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bedeutet das, dass sie im Rathaus Ansprechpersonen rund um die häusliche Pflege finden.

Wird eine Bürgerin oder ein Bürger pflegebedürftig, unterstützen sie Angestellte aus dem Dezernat Soziales und Gesundheit“ der Stadtverwaltung dabei, den wirklichen Pflegebedarf herauszufinden. Ein Fallmanagement-Team, bestehend aus Sozialarbeitern, Krankenpflegern und Sachbearbeitern, findet eine passende Pflegelösung und setzt sie vor Ort um. Ob die Angehörigen einer pflegebedürftigen Person mit in die häusliche Pflege eingebunden werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab: beispielsweise von Familienkonstellationen oder vom persönlichen Wunsch des Pflegebedürftigen. Die Kommunalverwaltung Apenrade organisiert die Pflege für rund 2400 pflegebedürftige Menschen. Dazu bietet sie den Großteil der ambulanten Pflege sowie die neun kommunalen Pflegeheime mit eigenen Pflegekräften an.

Ambulant vor stationär

Der deutsche Krankenpfleger Gordon Ertel arbeitet seit dem Jahr 2008 in Dänemark und bringt die Vorteile des Systems auf den Punkt: Der Patient steht hier definitiv im Vordergrund. Das ist keine Floskel, das wird wirklich so praktiziert in Dänemark.“ Kommt ein Patient oder eine Patientin pflegebedürftig aus dem Krankenhaus, dann ist der Pflegedienst der Klinik noch 72 Stunden für sie verantwortlich. Danach übernehmen die Pflegekräfte der Kommunen.

Auch die Verwaltung der Hilfsmittel liegt in kommunaler Hand. In einem zentralen Lager werden die unterschiedlichsten Hilfsmittel verwaltet. Dazu gehören auch die Wartung und Reparatur. Hier arbeiten mehrere Techniker, die sich um die Instandsetzung der Geräte kümmern: mal müssen Pflegebetten neu aufbereitet werden, mal müssen bei einem Rollator die Schrauben ausgetauscht werden.

Der VdK ist davon überzeugt, dass sich einige Elemente des dänischen Systems auf die Begebenheiten in Deutschland sehr gut übertragen lassen, beispielsweise die klare kommunale Verantwortung für Planung und Steuerung der häuslichen und stationären Pflege sowie präventive Hausbesuche und rehabilitationsorientierte Leistungen. Der zentrale Grundsatz ambulant vor stationär“ der gesetzlichen Pflegeversicherung in Deutschland verankert im Sozialgesetzbuch XI wird in Dänemark konsequent umgesetzt und bietet gute Anknüpfungspunkte für eine kommunale Steuerung.