Kategorie Frauen

VdK-Frauenvertreterin Heidi Lyck: „Gemeinsam Frauen sichtbar machen“

Equal Pay Day und Frauentag machen jedes Jahr auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam. Heidi Lyck, Frauenvertreterin im VdK Nord, über Fortschritte, Rückschritte – und warum ehrenamtliches Engagement so wichtig ist.

Heidi Lyck, Frauenvertreterin VdK Nord © Jelowik/VdK Nord

Wie steht es 2026 um die Geschlechtergerechtigkeit?

In einigen Bereichen hat sich etwas bewegt: Bei Erziehung und Pflege sind starre Rollenbilder nicht mehr so fest verankert wie früher. Dennoch leisten Frauen weiterhin den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Besonders seit der Coronapandemie erleben wir hier Rückschritte. Viele Frauen arbeiten deshalb noch immer häufig in Teilzeit; das wirkt sich direkt auf Einkommen und Rente aus. 

Positiv ist, dass der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt gestärkt wurde, etwa durch strengere Gesetze gegen Stalking. Doch ein verbindlicher Rechtsanspruch auf Schutz erst im Jahr 2032 ist eindeutig zu spät.

Ein großes Problem sehe ich außerdem im Bereich Gesundheit: Viele Krankheiten werden noch immer hauptsächlich an Männern erforscht. Typische weibliche Symptome werden häufig übersehen, was zu falschen Diagnosen und verzögerten Behandlungen führt. 

Veranstaltungstipp: Wie steht‘s um die Gleichberechtigung?

Seit mehr als 100 Jahren gehen Frauen rund um den Internationalen Frauentag auf die Straße, um für Gleichstellung zu demonstrieren. Doch wie notwendig ist das im Jahr 2026 überhaupt? Genau dieser Frage widmet sich die Veranstaltungsreihe
„Unterwegs – VdK Frauen im Gespräch“, die jetzt in Elmshorn Station macht.

Unter dem Titel „Müssen Frauen noch für Gleichberechtigung kämpfen?“ sind interessierte Frauen am Samstag, 7. März, um 14 Uhr ins Haus der Begegnung, Hainholzer Damm 11, eingeladen. Ziel der Veranstaltung sei es, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam auf die aktuelle Situation von Frauen zu blicken. Organisiert wird das Gespräch von Sybille Degel, Frauenvertreterin Kreisverband West, und Heidi Lyck, Frauenvertreterin VdK Nord. Als Gesprächspartnerinnen konnten sie zwei Expertinnen gewinnen: Heidi Basting, seit über acht Jahren Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Elmshorn, sowie Marie-Elisabeth Zachow, Beauftragte für Menschen mit Behinderungen im Kreis Dithmarschen. 

Eine Anmeldung nimmt Sybille Degel unter Externer Link:0172 7 54 88 83Externer Link:0172 7 54 88 83 oder per E-Mail (Externer Link:sybilledegel57@gmx.de) entgegen. Wer eine Mitfahrgelegenheit sucht oder bietet, wird gebten, dies bei der Anmeldung anzugeben.

Stichwort Frauenmedizin: Was sollte sich da ändern?

Wir müssen endlich anfangen, medizinische Forschung konsequent aus der Perspektive beider Geschlechter zu denken. Medikamente und Therapien dürfen nicht mehr nach dem Prinzip „one size fits all“ entwickelt werden. Auch Ärztinnen und Ärzte sollten stärker dafür sensibilisiert werden, dass Herzinfarkte, Autoimmunerkrankungen oder chronische Schmerzen sich bei Frauen oft anders äußern als bei Männern. Dadurch verbessern wir nicht nur einzelne Behandlungen, sondern das gesamte Gesundheitssystem

Wie setzt sich die VdK-Frauenvertretung konkret für Geschlechtergerechtigkeit ein?

Unsere Vertreterinnen engagieren sich in lokalen Netzwerken, bringen Frauenthemen auf VdK-Veranstaltungen ein, organisieren Infostände und beteiligen sich an Aktionen zum Frauentag oder am Orange Day. 

Wie kann man sich selbst einbringen und was sollte man dafür mitbringen?

Es gibt viele Möglichkeiten: von der Organisation von Räumen und Veranstaltungen über die Betreuung von Gästen bis hin zur inhaltlichen Mitarbeit bei Themen-Nachmittagen oder Projekten mit anderen Initiativen. Wichtig sind vor allem Freude an Teamarbeit, Offenheit und ein positives Bild von Frauen. Niemand muss perfekt sein – Engagement wächst mit der Erfahrung. 

Warum lohnt sich dieses Ehrenamt?

Weil man gemeinsam etwas bewegen kann für mehr Sichtbarkeit, Wertschätzung und Gleichstellung. Eigene Ideen finden Gehör, Wissen und Lebenserfahrung gehen nicht verloren, sondern kommen anderen zugute. Viele entdecken neue Fähigkeiten oder bringen ihr berufliches Know-how ein. Vor allem aber gibt das Ehrenamt das gute Gefühl, etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft zu tun. Und das ist unbezahlbar.