VdK Nord erstreitet Kostenübernahme für Beinorthese
Nach zwei erfolgreichen Widersprüchen des VdK Nord übernimmt die Krankenkasse nun doch dauerhaft die Kosten für eine computergesteuerte Beinorthese für MS-Patient Jan Hörberg.

Krankenkasse lehnt moderne Orthese zunächst ab
VdK Nord-Mitglied Jan Hörberg leidet an einer schweren, schubförmig verlaufenden Form von Multiple Sklerose. Wegen Lähmungserscheinungen im rechten Bein ist der 44-Jährige auf eine Orthese angewiesen. Die bisherige Spiralorthese konnte seine Bewegungseinschränkungen zuletzt jedoch nicht mehr ausgleichen. Hörberg konnte kaum noch Treppen steigen und stürzte mehrfach. Deshalb beantragte er bei seiner Krankenkasse die Erprobung einer computergesteuerten Beinorthese – inklusive ärztlicher Verordnung.
Die Kasse lehnte den Antrag zunächst ab. Daraufhin wandte sich Hörberg an den VdK Nord. Sabine Welge von der Geschäftsstelle Lübeck legte Widerspruch ein und fügte Videos aus einem Sanitätshaus bei. Die Aufnahmen dokumentierten Gehtests mit verschiedenen Orthesen auf unterschiedlichen Untergründen und zeigten, dass nur die beantragte Orthese eine eigenständige Beinbewegung ermöglicht. Schließlich übernahm die Krankenkasse die Kosten für eine vierwöchige Testphase Externer Link:(wir berichteten).
VdK Nord setzt auch dauerhafte Versorgung durch
Bereits während der Erprobung zeigte sich, dass Hörberg mit der Orthese deutlich besser Treppen steigen und auf unebenen Flächen laufen kann. Alles deutete auf eine dauerhafte Versorgung hin. Kurz vor Weihnachten folgte jedoch die Ernüchterung: Trotz positiver Testergebnisse lehnte die Krankenkasse die sogenannte Definitivversorgung ab und empfahl ein günstigeres Modell.
VdK-Juristin Welge legte erneut Widerspruch ein. Das Mitglied testete die Alternative, doch diese konnte die ausgefallene Oberschenkelmuskulatur nicht ersetzen und das Knie nicht ausreichend stabilisieren. Eine Stellungnahme des Sanitätshauses bestätigte dies.
Schließlich bewilligte die Krankenkasse doch die dauerhafte Kostenübernahme. Der Medizinische Dienst kam bei einer erneuten Prüfung zu dem Ergebnis, dass die Voraussetzungen erfüllt sind. Die individuell angefertigte Orthese, die über einen Mikroprozessor und einen speziellen Motor gesteuert wird, kostet rund 48.000 Euro.
Hörberg ist erleichtert und dankbar: „Die Orthese bedeutet für mich mehr Teilhabe im Alltag. Mit ihr schaffe ich Strecken, die vorher nicht möglich waren. Toll ist, dass ich beim Laufen nach vorne schauen kann und nicht mehr jeden Schritt planen muss, weil die Orthese mein Bein stabilisiert und Unebenheiten ausgleicht.“