Kategorie Sozialrecht

VdK Nord macht’s möglich: MS-Patient erhält computergesteuerte Beinorthese

Nach Widerspruch des VdK Nord muss die Krankenkasse eines Mitglieds 12.600 Euro für eine computergesteuerte Beinorthese übernehmen.

Mit der neuen Orthese traut sich Jan Hörberg wieder einen Spaziergang auf unebenem Gelände zu. © VdK Nord

Dank der Unterstützung durch den VdK Nord hat Jan Hörberg Hoffnung, wieder mobiler zu werden. Er ist an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Eine technisch anspruchsvolle Beinorthese hilft dem 44-Jährigen, trotz teilweiser Beinlähmung wieder Treppen steigen und längere Strecken laufen zu können.

Verzicht auf Teilhabe

Vor neun Jahren wurde bei Hörberg MS festgestellt. Die Erkrankung des zentralen Nervensystems wirkt sich stark auf sein rechtes Bein aus. Unterhalb des Knies spürt er nichts mehr. Die Krankheit entwickelt sich schubweise. Mittlerweile kann er auch mit der bisher verordneten dynamischen Spiralorthese, die das Anheben des Fußes unterstützt, kaum noch Treppen steigen. Das Kopfsteinpflaster auf seinem Weg zur Arbeit in der Lübecker Altstadt meidet er aus Sorge vor Stürzen. Hinzu kommt, dass er schnell erschöpft ist. Die so genannte Fatigue ist ein typisches Symptom bei einer MS-Erkrankung. Bereits nach kurzen Gehstrecken hat er keine Kraft mehr. 

Als deprimierend empfindet Hörberg, dass ihm beim Spielen mit seinen drei Kindern wegen der körperlichen Einschränkungen oft nur die Zuschauerrolle bleibt. Ich verzichte ständig auf Teilhabe im privaten und beruflichen Bereich, um Situationen zu vermeiden, die ich nicht bewältigen kann“, sagt er. 

Nachweis: Gehtest-Videos vom Sanitätshaus

Große Hoffnung setzt er daher auf eine computergesteuerte Beinorthese, die ihm die komplette Beinbeweglichkeit wieder ermöglichen soll. Ein Sensor erfasst dabei die Bewegung des Beins, und die Orthese übernimmt mechanisch dessen Funktion und den Schritt. 

Mit der ärztlichen Verordnung und einem Kostenvoranschlag für diese Beinorthese von 12.600 Euro stellte er einen Antrag bei der Krankenkasse, die jedoch ablehnte. Juristin Sabine Welge vom VdK Nord in Lübeck legte Widerspruch bei der Kasse ein und machte deutlich, dass nur eine Orthese in der beantragten Version ihrem Mandanten eine Teilhabe am selbstständigen Leben ermöglicht. Er könne mit dem Modell sicherer und schmerzfreier durchs Leben gehen. Als Nachweis für die deutliche Verbesserung mit dieser Orthese hatte das Sanitätshaus Videos von Gehtests vorgelegt.

Orthese bringt mehr Lebensqualität

Das überzeugte die Krankenkasse offenbar. Sie stimmte einer Kostenübernahme für eine individuell angefertigte Beinorthese zu. Dieses Modell probierte Hörberg für vier Wochen aus, in denen die Orthese weiter an seinen Körper angepasst wurde. 

Während dieser Testphase merkte Hörberg bereits frühzeitig, dass er mit der neuen Orthese besser Treppen steigen und unebene Oberflächen bewältigen kann. Früher hatte er beim Gehen die fehlende Kraft im Bein dadurch auszugleichen versucht, dass er mit dem Körper Schwung holte, um mit dem teils gelähmten Bein Schritte zu machen. So wurden nicht nur das Knie und die Hüfte, sondern auch die gesamte Rumpfmuskulatur stark beansprucht. Mit der computergesteuerten Beinorthese wird der gesamte Körper wesentlich entlastet und der Gang sicherer. 

Nach der Testphase wird die Orthese endgültig gefertigt und ein entsprechender Motor für das Modell eingesetzt. Hörberg ist überzeugt: Für mich bedeutet diese Orthese einen großen Schritt zu mehr Teilhabe und Lebensqualität.