VdK Nord: Lange Verfahren treiben Nachzahlungen in die Höhe
Noch nie hat der Sozialverband VdK Nord mehr Nachzahlungen für seine Mitglieder erwirkt. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 2,9 Millionen Euro vor den Sozialgerichten erstritten – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
„Die Rekordsumme an durchgesetzten Sozialleistungen ist kein Grund zur Freude, sondern ein Warnsignal“, erklärt Geschäftsführer Ronald Manzke. „Bei weitgehend konstanten Verfahrenszahlen steigen die Nachzahlungen vor allem deshalb, weil die Verfahren immer länger dauern.“
Besonders stark betroffen seien Mitglieder in Erwerbsminderungsrentenverfahren. Viele von ihnen würden Jahre auf den Abschluss ihres Verfahrens warten. Für die Betroffenen bedeute das lange finanzielle Durststrecken, die sie häufig nur mit großen Schwierigkeiten überbrücken könnten und die zusätzlich psychisch stark belasten.
Die zunehmende Verfahrensdauer habe mehrere Ursachen. In Behörden und Gerichten fehle es an Personal, hinzu komme ein gravierender Mangel an medizinischen Sachverständigen. Erschwerend wirke außerdem, dass die Digitalisierung noch immer nicht konsequent umgesetzt sei. Unterschiedliche und teils nicht kompatible Softwarelösungen bei den Verfahrensbeteiligten, ausgedruckte digitale Akten sowie der weiterhin verbreitete Versand per Post würden die Abläufe unnötig verlängern. Gleichzeitig würden kurze Fristen gesetzt, obwohl Unterlagen die Beteiligten aufgrund langer Postlaufzeiten oft noch gar nicht erreicht haben.
Der VdK Nord sieht hier dringenden Handlungsbedarf. „Wenn Menschen Sozialleistungen beantragen, dann tun sie das, weil sie Unterstützung brauchen – nicht, weil sie Vorteile suchen“, betont Manzke. „Wichtiger denn je sind mehr Mitarbeiter in Behörden und Gerichten, eine konsequente und funktionierende Digitalisierung sowie mehr Vertrauen in die Befundberichte behandelnder Ärztinnen und Ärzte, um die Zahl der Begutachtungen zu reduzieren.“
Parallel zu den Verfahren blieb auch der Beratungsbedarf auf hohem Niveau. Die hauptamtlichen Juristinnen und Juristen des VdK Nord führten 2025 fast 10.000 Beratungsgespräche, was einem weiteren Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das zeige deutlich, dass immer mehr Menschen auf qualifizierte sozialrechtliche Unterstützung angewiesen sind. Manzke: „Wir werden uns weiter mit Nachdruck für die Rechte unserer Mitglieder einsetzen und zugleich darauf drängen, dass soziale Sicherheit nicht erst nach jahrelangen Verfahren Realität wird.“