Kategorie Veranstaltung

VdK-Regatta 2026: Volle Fahrt voraus für die Pflege von morgen

Sonnenschein, gute Gespräche und wichtige Impulse zur Pflegepolitik: So erlebten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Institutionen und Verbänden die sozialpolitische Regattafahrt des VdK Nord an Bord der MS Stadt Kiel.

© Jelowik

Pflege wird in Dänemark vor Ort gesteuert

Während der Fahrt auf der Kieler Förde stand in diesem Jahr die Frage im Mittelpunkt, wie die Pflege künftig besser organisiert werden kann. Moderiert von Franziska Brzezicha, Referentin für Sozialpolitik beim VdK Nord, richtete sich der Blick zunächst auf die aktuelle Situation. Obwohl die Kommunen den Menschen am nächsten sind und deshalb besonders passgenau sowie präventiv handeln könnten, haben sie bei der Gestaltung der Pflege kaum Mitspracherechte. Gleichzeitig müssen sie als Sozialhilfeträger die steigenden Kosten tragen, wenn Pflegebedürftige die hohen Eigenanteile in Pflegeheimen nicht mehr bezahlen können.

Dass es auch anders geht, zeigte Gösta Toft, langjähriger Leiter des Sozialdienstes für Nordschleswig. In Dänemark liege die Verantwortung für die Pflege bei den Kommunen. Sie erfassen den Bedarf vor Ort, koordinieren und steuern Angebote, verwalten Hilfsmittel und setzen auf präventive Hausbesuche sowie Rehabilitation. Der VdK Nord sieht darin wichtige Anregungen für Deutschland. Eine kommunale Pflegeinfrastruktur könne Versorgungslücken früher erkennen, so manche Heimeinweisung vermeiden und dadurch langfristig Kosten senken.

Arne Leisner (Stadt Kiel), Franziska Brzezicha (VdK Nord) und Gösta Toft (SSW) © Jelowik

Kiel als kommunaler Mitgestalter in der häuslichen Pflege

Wie hierzulande Kommunen bereits heute neue Wege gehen, zeigte anschließend Arne Leisner, Leiter des Amtes für Soziale Dienste in Kiel. Die Landeshauptstadt hat erfolgreich Fördermittel des Bundes eingeworben und wird ab Juli innerhalb von drei Jahren bestehende Anlaufstellen Nachbarschaft in zwei Kieler Stadtteilen ausbauen. Bislang bieten diese vor allem älteren Menschen Möglichkeiten für Begegnung, Austausch und gemeinsame Aktivitäten. Künftig sollen sie auch Anlaufpunkte für pflegende Angehörige werden.

Geplant sind Beratungs- und Präventionsangebote sowie eine stärkere Vernetzung im Quartier. Pflegende Angehörige sollen dort unkompliziert Unterstützung finden, sich austauschen und Kontakte knüpfen können. Gleichzeitig will die Stadt aktiv Menschen zusammenbringen, die ehrenamtlich oder beruflich in der Pflege und Betreuung tätig sind. Ziel ist es, tragfähige Netzwerke vor Ort aufzubauen und Hilfe frühzeitig dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird. Das Modellprojekt wird wissenschaftlich begleitet und könnte später auf weitere Stadtteile ausgeweitet werden. 

Erfahrungen ausgetauscht, Kontakte geknüpft

Nach dem offiziellen Programm nutzten die Gäste die besondere Atmosphäre an Bord für zahlreiche Gespräche. Sie tauschten Erfahrungen aus, knüpften Kontakte und diskutierten aktuelle sozialpolitische Herausforderungen. Gerade dieser offene Dialog über Zuständigkeits- und Organisationsgrenzen hinweg macht den besonderen Charakter der sozialpolitischen Regattafahrt aus. Gazi Freitag, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein, brachte die Bedeutung der Veranstaltung auf den Punkt: „Die Fahrt ist jedes Jahr eines meiner Highlights. Tolle Location, aber vor allem wahnsinnig wertvolle Gespräche mit Menschen, die sich um Menschen kümmern.“